Bakterie – Freund oder Feind?

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Das erste Antibiotikum wurde 1929 entdeckt und ab 1946 für klinische Anwendungen eingesetzt. Dies nahm einen großen Einfluss auf die öffentliche Gesundheit. Die Entdeckung von Antibiotika hatte viele dahingehend getäuscht zu glauben, dass Infektionskrankheiten keine Bedrohung mehr für das menschliche Leben darstellten. Im Gegensatz dazu hat die missbräuchliche Verwendung dieser Medikamente die Antibiotika-Resistenz und das Wachstum sogenannter “Superbazillen” gefördert, welche nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden können.

Wir brauchen sowohl die nützlichen als auch die schädlichen Bakterien

Eigentlich sind Bakterien sehr anspruchsvoll und können für die menschliche Gesundheit hilfreich sein. Der menschliche Körper braucht nützliche Bakterien für

  • Nahrungsverdauung (im Verdauungstrakt)
  • Aufnahme von Nährstoffen
  • Abbau von Schadstoffen
  • Prävention von Allergien
  • Aufbau der Immunisierung gegen Krankheiten

Der menschliche Körper braucht auch schädliche Bakterien. Ihr Immunsystem sammelt kontinuierlich Daten, darüber welche schädlichen Erreger (AKA Krankheitserreger) sich im Körper zu jenem Zeitpunkt ausbreiten. Diese Daten teilen Ihrem Immunsystem mit, wie es die Abwehrkräfte hochfährt, wenn Ihr Körper angegriffen wird. Ohne diese schlechten Bakterien im Körper, würde das Immunsystem nicht wissen, was zu tun ist. 

Genau wie der Boden den Baum, so unterstützt auch Ihre Darmflora Ihr Gewebe und Ihre Organe. So wie die Nährstoffe vom Boden gefiltert und verändert werden, sodass der Baum diese aufnehmen kann, so werden auch die Nährstoffe in Ihrem Körper durch die Darmflora gefiltert und modifiziert, und auf diese Weise, können Sie sie nutzen. Daher ist es klüger zu lernen, wie man harmonisch mit diesen Bakterien im Magen-Darm-Trakt leben kann, anstatt sie alle zu zerstören.

Eine ausgewogene Darmflora besteht idealerweise zu 80% aus nützlichen Bakterien

Die nützlichen Bakterien leben in einer Umgebung ohne Sauerstoff, während die schädlichen Bakterien Sauerstoff mögen. Die schädlichen Bakterien verbrauchen den Sauerstoff und schaffen somit eine Umgebung in der die nützlichen Bakterien überleben können. Dies bedeutet, dass jeder Mensch eine ausgewogene Ökologie von nützlichen und schädlichen Bakterien braucht. Ein Verhältnis von  mit 80 : 20% ist ideal. Leider haben moderne Lebensweisen und Umweltfaktoren dieses Verhältnis für den Menschen umgekehrt.

Babys werden mit mindestens 90% der nützlichen Bakterien (insbesondere Bifidus oder Bifidobakterien) in ihrem Verdauungstrakt geboren. Der prozentuale Anteil nützlicher Bakterien sinkt so tief wie 25% bei Einführung der Beikost, auf 10% mit Erreichen des Erwachsenenalters und weniger als 5% nach 65 Jahren. Schlechte Ernährung, Krankheit, Medikamente, Chemotherapie, Antibiotika, Genetik, Umweltschadstoffe und Stress sind nur einige der Faktoren, die die natürliche Ökologie des Verdauungstraktes stören und ein bakterielles Ungleichgewicht (auch Mikroflora-Ungleichgewicht genannt) verursachen.

Wenn das Dienstmädchen nicht aufräumt!

04Mikroflora Ungleichgewicht kann viele Probleme verursachen, einschließlich schlechter Stuhlgang, Verdauungsstörungen, schlechte Nährstoffaufnahme, schwache Immunabwehr und Toxine. Ihr Körper ist dazu geschaffen, bis zu einem Grad mit der Toxizität fertig zu werden. Dies ist eigentlich die wichtigste Rolle der Leber – dazu beizutragen, die Giftstoffe so umzuwandeln, dass diese über den Darm, die Blase oder die Haut aus dem Körper ausgeschieden werden können. Aber je mehr die guten Bakterien Schlachten gegen die schädlichen verlieren, umso höher steigt die Toxizität. Darüber hinaus gibt es viele chemische und Umweltgifte, die ununterbrochen jeden Tag in den Körper gelangen mit dem Ergebnis dass das Eliminationssystem verstopft.

Die Giftstoffe gelangen somit in die Blutbahn und reisen frei im ganzen Körper umher. Das Immunsystem versucht, seine Arbeit zu tun, aber es gibt so viele verschiedene Krankheitserreger und Giftstoffe allerorts verteilt, so dass es verwirrt ist, überreagiert und sogar die körpereigenen Zellen, Gewebe und Organe bekämpft. Dies ist als Autoimmunkrankheit bekannt. Einige der Probleme, die auf Autoimmunität zurückzuführen sind, sind Allergien, Hashimoto-Thyreoiditis oder Basedow-Krankheit und Typ-1-Diabetes (Autoimmunkrankheit der Bauchspeicheldrüse).

Viele Dinge können schief gehen, wenn Ihre Darmflora im Ungleichgewicht ist. Einige der bekanntesten Darm-Probleme sind

  • IBD (entzündliche Darmerkrankung),
  • IBS (Reizdarmsyndrom),
  • GERD (gastroösophageale Refluxkrankheit),
  • Morbus Crohn,
  • Colitis ulcerosa,
  • Zöliakie und
  • SIBO (bakterielle Überwucherung im Dünndarm).

Die chronisch entzündliche Darmerkrankung (IBD) ist ein weit verbreitetes Problem in den entwickelten Ländern. Es ist eine Krankheit, die die Entzündung der Darminnenverkleidung (Schleimhaut) oder Darmwand betrifft, was zu Geschwüren (offene, schmerzhafte Wunden) und Durchfall führt. Auf der anderen Seite, Autismus und Schizophrenie sind zwei psychischen Störungen, die in starker Verbindung zu Darmflora-Problemen steht. Schließlich führt die Entzündung welche im Darm beginnt, oft zu Entzündungen in anderen Körperteilen wie Gelenke oder Arterien.

Die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmflora Balance ist für die Prävention und Heilung von vielen Krankheiten und für das allgemeine Wohlbefinden sehr wichtig. Wie bewahren wir eine ausgewogene Ökologie der Bakterien in unserem Körper?

  • mehr Obst, Gemüse und unverarbeitete Lebensmittel für eine stärkere Darmflora konsumieren.
  • Nahrungsergänzungsmittel wie Probiotika oder Prebiotika einnehmen, welche das Wachstum der nützlichen Bakterien fördern.

Prebiotika ist “Nahrung” die von nützlichen Bakterien “gegessen” wird um sich zu vermehren. Weit verbreitete Prebiotika sind Oligosacharide.